Eine Berufsschule in Niedersachsen hat den Deutschen Schulpreis gewonnen. Hier zeigten Schüler Erfolge, die woanders kaum jemand für möglich gehalten habe, lobt die Jury. “Weil man uns vertraut”, sagen Schüler.

An der Elisabeth-Selbert-Schule werden knapp 2000 Schüler aus 34 Nationen in Fächern wie Agrarwirtschaft, Gesundheit und Pflege oder Sozialpädagogik unterrichtet. Ein Beratungsteam aus Lehrern, einer Pastorin und einem Sozialarbeiter bieten auch außerhalb des Unterrichts Hilfe an, zum Beispiel für minderjährige Mütter oder für Geflüchtete.

“Durch das dichte Geflecht aus passgenauer pädagogischer Förderung und Fürsorge erzielen die Schüler hier Erfolge, die an anderen Schulen kaum jemand für möglich hielt”, sagt Erziehungswissenschaftler Michael Schratz von der Universität Innsbruck und Sprecher der Jury.

In der Preisträgerbroschüre kommen mehrere Schüler und Lehrer zu Wort. Die 17-jährige Belana sagt: “Die Lehrer vertrauen uns total. Wir dürfen die Handys benutzen, um im Unterricht zu recherchieren. An anderen Schulen sind sie da viel strenger. Aber tatsächlich machen die Schüler damit hier kaum Quatsch – weil man uns vertraut.”

Auch Spickzettel sind im Unterricht erlaubt, zumindest in den Mathestunden von Lehrerin Barbara Bremert. “Manche meiner Schüler bringen so viel Angst von anderen Schulen mit – da beruhigt so ein kleiner Spickzettel und gibt Sicherheit”, sagt sie. “Und in Deutsch dürfen sie ja auch einen Duden benutzen.”

Im fachpraktischen Unterricht stellen die Schüler selbst Produkte her – zum Beispiel Kekse, Marmelade oder Kräuteröle – und verkaufen sie anschließend im Internet oder auf dem Weihnachtsbasar.

Die Jury bescheinigt der Elisabeth-Selbert-Schule herausragende Ergebnisse, unter anderem beim Umgang mit Vielfalt. Dort werden 124 Schüler mit Fluchterfahrung in Sprachförderklassen unterrichtet. Außerdem werden inhaftierte Jugendliche in den Schulalltag integriert.

Fünf weitere Schulen wurden von der Jury mit je 25.000 Euro für gute Unterrichtskonzepte ausgezeichnet: die Waldparkschule in Heidelberg, das Gymnasium Kirchheim bei München, die Grundschule Borchshöhe in Bremen, die Europaschule Bornheim in Nordrhein-Westfalen sowie die Deutsche Schule Rio de Janeiro.

Der Deutsche Schulpreis wird seit 2006 verliehen. Seither haben sich mehr als 2000 Schulen für die Auszeichnung beworben. Zu den Kriterien des Preises zählen Leistung, Unterrichtsqualität, Umgang mit Vielfalt, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution.