Das akademische Jahr 2016/17 ist für die Munich Business School ein ganz besonderes: Die MBS feiert ihr 25-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass präsentieren wir Ihnen in der Blog-Reihe „25 Jahre – 25 Köpfe“ 25 Persönlichkeiten aus dem MBS Kosmos und ihre Geschichten aus 25 JahrenMunich Business School.

Success Factor Happiness

Prof. Dr. Christian Schmidkonz ist Professor für Internationale Betriebswirtschaft und Studiengangsleiter MASTER International Business an der Munich Business School.

Nicolas Stahlhofer ist Absolvent der Munich Business School im Studienprogramm MASTERInternational Business. 

MBS Christian Schmidkonz
MBS Dozent Prof. Dr. Christian Schmidkonz.

Seit 2014 bietet MBS Dozent Prof. Dr. Christian Schmidkonz im Rahmen des Studienprogramms MASTER International Business einen besonderen Wahlkurs an: In „Success Factor Happiness“ beschäftigen sich die Studierenden mit den Erkenntnissen der interdisziplinären Glücksforschung und lernen, diese im Kontext von Wirtschaft und in anderen Lebensbereichen anzuwenden.

Nicolas Stahlhofer hat den Wahlkurs besucht und sich auch in seiner Masterarbeit mit dem Thema Happiness auseinandergesetzt.

 

MBS Nicolas Stahlhofer
MBS Alumnus Nicolas Stahlhofer.

Nicolas Stahlhofer: Hallo Herr Dr. Schmidkonz. Lassen Sie uns über Happiness sprechen. Ich bin mit dem Thema schon während meines Bachelorstudiums in Wirtschaftspsychologie in Berührung gekommen. Als ich dann meinen Master an der MBS begonnen habe, war ich überrascht, dass ein Wahlkurs mit dem Titel „Success Factor Happiness“ angeboten wird. Das fand ich ungewöhnlich für eine Business School.

Christian Schmidkonz: Hallo Nicolas. Auch ich habe das Thema für mich entdeckt, als ich noch Student war. Es hat mich sofort fasziniert. Ich habe mich dann intensiv mit den Aspekten der Glücksforschung auseinandergesetzt und mit ihrer Anwendung auf die verschiedenen Bereiche unseres Lebens.

Nach meinem Studium war ich viel in den USA und in China unterwegs: Gerade in den USA und speziell in Kalifornien ist das Thema schon seit einigen Jahren sehr präsent. An den großen amerikanischen Universitäten wie Harvard und Stanford gab es schon Kurse, die Happiness im wirtschaftlichen Kontext behandelten. Und es erschienen die ersten Bücher, z.B. „Happiness: Lessons from a New Science“ von Richard Layard oder etwas später „Delivering Happiness“ von Tony Hsieh.

Nicolas Stahlhofer: Sie waren damals noch kein Universitätsprofessor, sondern als Unternehmensberater tätig. Hat das Thema Happiness in diesem Zusammenhang irgendeine Rolle gespielt?

Christian Schmidkonz: Nein, eher nicht, das war seinerzeit weitgehend noch nicht als relevantes Unternehmensthema akzeptiert. Es ist ja heute noch so, dass ich oft verwunderte Blicke ernte, wenn ich vor Unternehmern über Happiness spreche. Es findet inzwischen jedoch eine positive Entwicklung statt: Google beschäftigte jahrelang einen „Chief Happiness Officer“, bei SAP arbeitet ein Director für die „Global Mindfulness Practice“; und auch andere Unternehmen schaffen zunehmend solche und ähnliche Positionen in ihrem Management.

Nicolas Stahlhofer: Seitdem Sie „Success Factor Happiness“ anbieten, ist der Wahlkurs bei Master-Studenten äußerst beliebt. Wie hat die Hochschulleitung eigentlich reagiert, als sie den Kurs vorgeschlagen haben?

Christian Schmidkonz: Ich war und bin der Meinung, dass eine Hochschule wie die Munich Business School der perfekte Ort für einen Happiness-Kurs ist. Ich habe also unserem Dekan, Prof. Dr. Baldi, meine Idee vorgestellt. Er war sofort davon angetan und hat mich bestärkt, den Kurs anzubieten. Er meinte: „Machen wir doch einen Wahlkurs“. Und so kam es dann auch.

Den Titel „Success Factor Happiness“ habe ich übrigens bewusst gewählt: Die Verbindung der Begriffe „Happiness“ und „Success“ im Unternehmenskontext wirft unzählige Fragen auf und erzeugt Verwunderung bei den Studierenden – aber auch Neugierde. Vielleicht ist das der Grund für die Beliebtheit von „Success Factor Happiness“.

Nicolas Stahlhofer: Ich habe den Kurs jedenfalls sofort gewählt. Als ich dann für mein Auslandssemester in den USA war, habe ich gemerkt, dass das Thema dort in der Unternehmenspraxis schon sehr präsent ist. Spätestens da war mein Interesse für Happiness richtig geweckt. Ich habe vieles, was ich im Kurs gelernt habe, für mich mitnehmen können – für mein Leben im Allgemeinen, aber auch für bestimmte Bereiche wie mein Berufsleben.

Christian Schmidkonz: Das freut mich zu hören. Schließlich ist es ein wichtiges Ziel des Kurses, dass bei den Studierenden nicht nur ein fachlich-inhaltlicher Erkenntnisgewinn eintritt, sondern dass sie auch etwas Neues über sich selbst lernen. Das kommt erfreulicherweise auch regelmäßig vor. Das tollste Feedback, das ich jemals von einem Studierenden zu dem Kurs bekommen habe, lautete ungefähr so: „I enjoyed this course very much because it wasn’t only about thinking outside of the box – there was no box.“ Das so erkannt zu haben und an dem Kurs genau deshalb Gefallen gefunden zu haben ist wirklich großartig!

Leider ist es trotzdem immer wieder so, dass diejenigen, für die der Kurs am wichtigsten wäre, ihn gar nicht erst wählen. Dabei kann eine Kenntnis der verschiedenen Happiness-Konzepte gerade jungen Menschen dabei helfen, Unsicherheiten abzubauen.

MBS Happiness
Prof. Dr. Christian Schmidkonz mit Gastdozent Raphael Fellmer beim MBS Happiness Evening 2017.

Nicolas Stahlhofer: Besonders gerne erinnere ich mich auch an die Co-Referenten, mit denen Sie den Kurs gemeinsam durchführen. Wie sind Sie auf diese gekommen?

Christian Schmidkonz: Beide Co-Dozenten sind eine immense Bereicherung für den Kurs. Der Zen Lehrer André Daiyû Steiner, der über Psychologie und Glück referiert, und die Studierenden auch mittels Meditationstechniken in das Thema Achtsamkeit einführt, ist von Anfang an dabei. Normalerweise vermittelt er sein Wissen an Manager, Führungskräfte und Spitzensportler. An der MBS versteht er es, die Studierenden zum Teil tief zu bewegen.

Dr. Florian Langenscheidt, der über Philosophie und Glück spricht und seine ganze Lebenserfahrung in den Kurs mit einbringt, versteht es ebenso, bei den Studierenden einen tiefen Eindruck zu hinterlassen. Einige Studierende sehen die Stunden mit den beiden als einen Höhepunkt ihres Studiums an der MBS.

Nicolas Stahlhofer: Das Thema Glück wird auch immer wichtiger für den Erfolg von Unternehmen. In meiner Masterarbeit, in der ich mich mit der Bewegung des „Conscious Business“ beschäftige, nimmt der Happiness-Aspekt auch eine wichtige Rolle ein.

Christian Schmidkonz: Ein gutes Stichwort. „Conscious Business“ ist daher seit 2017 ein Pflichtkurs im Curriculum, wobei wir auch auf das Thema Happiness eingehen. Zwar steht der finanzielle Erfolg bei den meisten Unternehmen heute noch über allem, es kann aber auch umgekehrt funktionieren. Ich denke sogar, dass es in nicht allzu ferner Zukunft vor allem umgekehrt funktionieren wird. Als Hochschule sind wir gefordert, solche Zukunftsthemen zu identifizieren und sie in die Ausbildung zu integrieren. Nicht zuletzt wird das Thema Happiness unabhängig von zukünftigen technologischen, wirtschaftlichen und anderen Entwicklungen, von denen wir heute noch gar nichts ahnen, immer für den Erfolg eines Unternehmens von grundlegender Bedeutung sein.

Nicolas Stahlhofer: Wir haben schon darüber gesprochen, dass andere Nationen wie die USA hier eine Vorreiterrolle ausüben. Ich habe das Gefühl, in Deutschland sind wir noch nicht so weit, es fehlen die mutigen Vorreiter.

Christian Schmidkonz: Wobei das Happiness-Konzept auch in den USA noch lange nicht etabliert ist. Von anderen großen Wirtschaftsnationen gar nicht zu reden: Ich halte auch in China Vorträge über Happiness und merke immer wieder, dass die dortige Gesellschaft, vor allem in den Städten, gerade in der hedonistischen Tretmühle gefangen ist. Auch hier wird das Thema mit großem Interesse aufgenommen.

Nicolas Stahlhofer: Die Menschen müssen idealerweise von sich aus erkennen, wie wichtig ihr persönliches Wohlbefinden ist.

Christian Schmidkonz: Würden Sie sich denn auf eine Stelle für einen „Chief Happiness Officer“ bewerben?

Nicolas Stahlhofer: Ich finde es eine interessante Idee. Ich würde es aber weniger als eine offizielle Tätigkeit oder ein Jobprofil sehen, sondern als eine innere Einstellung, die man im Job, aber auch in allen anderen Lebensbereichen zu seiner Handlungsgrundlage macht. Das Thema Happiness begleitet einen das ganze Leben lang.